Leseproben von
Stephan Pamp
Der Tod aller Hoffnungen
Patrick Henning Schlüssel, Schloß und Schicksal
Marc Stein Transformation
Melanie Böcker Des Schicksals Wille
Cora Gäbel Nanas Geschichten
Holger Altmann Wölfe
Daniel Krüger Gefallene Engel
Matthias Kirchner Der unsichtbare Henker
Lutz Reiter Rachemond
Anke Pekarsky Die dunkle Seite des Mondes

Stephan Pamp
Der Tod aller Hoffnungen

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Markwede, nur noch Ruinen. Das Stadttor, durch das er einst Natasha in seinem frisch gewachsten Cabrio heimführte, der stolze Kirchturm, nur noch Asche. In seiner Trauer, seiner Wut legt er den Kopf in den Nacken, schreit dem Himmel seinen Schmerz entgegen.
Er schleppt sich weiter, Staub und Asche, wo er auch hinblickt. Dort, auf dem Marktplatz. Sind das Stimmen, die er da hört? Ja, Stimmen, grunzend, lachend, widerwärtig.
Er betritt den Platz, und da stehen sie. Monster, hunderte, lachend, sich anschreiend in ihrer eigenen Sprache. Froschgesichtige Giganten und welche mit Tentakeln als Haupt und Reißzähnen. Manche haben den Kopf von Tiefseefischen, nichts als Augen und Fänge. Einer, mit nicht auszumachenden Gesichtszügen, zeigt auf ihn, brüllt.
Er hebt sein Gewehr, schießt blindlings auf die Ungeheuer. Die Geschosse zerfetzen die Bestien, wo sie grad stehen, der Gestank nach Blut, nach Verbranntem, erfüllt die Luft.
Nun lachen die Monster nicht mehr, nun schreien sie und laufen weg. Doch es nützt ihnen nichts. Einen nach dem anderen fällt er, wirft die leer geschossene Waffe fort und zieht sein Samuraischwert, einst nur ein Schmuckstück, von ihm rasiermesserscharf geschliffen und tödlich.
Wie die Sense durch die Ähren, so kommt er auf sie hernieder. Ein Monstrum mit Haigesicht hat sich vor ihm in den Staub geworfen, die Krallen bedecken die Augen, also trennt er beides von ihm, Arme und Kopf, mit einem einzigen Hieb. Und noch weiter rennt er, keinen will er entkommen lassen, als sich ein widerlicher Wurm auf ihn zuwindet, fast so lang wie sein Arm, augenlos, schnüffelnd.

Patrick Henning
Schlüssel, Schloß und Schicksal

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Plötzlich kam Unruhe in das Bild. Blätter begannen zu rascheln, Äste zerbrachen. Selbst der Wind kam zurück, als hätte er plötzlich ein Signal erhalten. Dann kam die Ursache zum Vorschein: zwei kleine, nackte, dunkelhäutige Kinder. Sie kamen aus dem Dschungel gestürzt. Ihre Gesichter waren vor Angst verzerrt. Sie rannten um ihr Leben. Es gab nur eine Rettung für sie: Der See. Und nur den See. Noch während sie zum Sprung ins Wasser ansetzten, wurden sie plötzlich transparent und verschwanden dann ganz. Nur das unruhige Plätschern des Wassers ließ vermuten, dass sich die beiden Jungen nicht in Luft aufgelöst hatten. Sie waren getarnt. Unsichtbar begannen sie mit schnellen Schwimmbewegungen ihren Abstieg zum Grund des Sees. Doch der Jäger war bereits eingetroffen und die Jungen waren noch nicht tief genug. In völliger Bewegungslosigkeit verharrte der Jäger am Ufer. Konzentriert. Je stärker die Konzentration, desto mehr begann er zu spüren: die Bewegung der Luft, das Auseinanderdriften der Wassermoleküle, jegliche Veränderung der Elementarteilchen. Und auch wenn die beiden Jungen für jeden anderen Betrachter unsichtbar geblieben wären, wusste der Jäger ganz genau, wo sie sich befanden. Er erkannte, sah und schoss. Zwei Treffer. Beide direkt in den Kopf der Kinder, die sich bereits neun Meter unter die Wasseroberfläche gekämpft hatten. Wahrscheinlich wären 30 Meter nötig gewesen, um dem Tod zu entkommen. Während sich das Wasser rot färbte und die beiden der Seeoberfläche entgegenschwebenden toten Kinder wieder Gestalt erlangten, konnte der Jäger nur lächeln.

Marc Stein
Transformation

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Mit bebendem Herzen ließ Roberto es geschehen, dass der Arzt mit geschickten Fingern seine linke Hand befreite. Langsam, Zentimeter für Zentimeter, kam eine quecksilbergleich glänzende Fläche zum Vorschein, die sich von Robertos Handwurzel bis über die Knöchel von Mittel- und Zeigefinger zog.
»Was ...?« Überrascht sah der Doktor auf den metallischen Überzug, welcher tanzende Lichtflecken auf die tristen Wände des Sprechzimmers reflektierte.
»Doktor?« Robertos Stimme war dünn wie Pergament. Die Reaktion des Doktors hatte einen harten Knoten in seiner Brust wachsen lassen, der ihn am Atmen hinderte.
Der Mann war ganz offensichtlich schockiert. Dabei sollte doch gerade Alvarez als Dermatologe alle möglichen Veränderungen der menschlichen Haut schon zu Gesicht bekommen haben.
»Doktor, was ist das?«, machte Roberto einen neuen Versuch, von dem Mann eine Antwort zu bekommen. »Das kann man doch behandeln, oder? Sie haben doch bestimmt etwas dagegen.«
Zur Antwort schüttelte der Doktor nur geistesabwesend den Kopf und streifte sich ein paar dünne Latexhandschuhe über, die er einem kleinen Pappkarton auf einem Beistelltisch entnahm. Vorsichtig begann er das betroffene Körperteil zu betasten.
»Es ist ganz kalt. Wie Metall«, sagte er mit hochgezogenen Augenbrauen. Er bog die Hand in unterschiedliche Richtungen. »Tut das weh?«
»Nein, ich habe keine Schmerzen. Die ... veränderten ... Stellen prickeln nur manchmal leicht. Es ist ein seltsames Gefühl.«
»Es fing vor drei Wochen an, sagten Sie?« Alvarez hatte sich ein kleines Skalpell zur Hilfe geholt und klopfte leicht gegen die veränderte Haut. Es gab helle Klirrlaute, Metall gegen Metall.

Melanie Böcker
Des Schicksals Wille

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Hunderte Jahre gingen ins Land und die alten Bräuche und Geschichten der Kasalonier gingen langsam verloren. Bevor der letzte Magier starb, ließ er von der Gedenkstätte zu der Gruft eine neue Brücke bauen. Er wollte sich vergewissern, dass selbst wenn die Seelen entkommen würden, ihre Körper bereits zu Staub zerfallen sein würden und sie so kein Unheil mehr anrichten konnten. Doch als der Magier, man nannte ihn Friedrich, die Gruft betrat, fand er zu seinem Erschrecken nicht Staub oder Knochen vor, sondern die mumifizierten Hüllen der einstigen Verbrecher. Er musste ein zweites Mal hinsehen, denn seine alten Augen versuchten ihn hin und wieder zu täuschen, doch er schauderte ein zweites Mal. Da saßen nur noch vier der einst fünf Verurteilten. Der Platz in der Mitte der Mumien war verlassen, die Ketten hingen stumm herab.
Konnte es möglich sein? Einer, vielleicht der Letzte der Tausend, hatte entkommen können? Wie war es ihm gelungen? War er womöglich noch am Leben? Auf dem Weg über das Meer in Richtung Horizont um eine neue Heerschar anzuführen, um Rache zu nehmen?
»Nein, alter Mann«, sprach eine dunkle Stimme zu ihm. »Ich bin noch hier. Und ich werde noch hier sein, wenn von dir längst niemand mehr sprechen wird. Aber mein Körper ist fort. Ohne seinen innewohnenden Geist hat er keinen Schmerz verspürt, als seine Handgelenke und Knöchel brachen und aus den Ketten schlüpften. Er hatte keine Angst vor den reißenden Fluten dieses Flusses, dessen Tosen mir Tag und Nacht in den Ohren hallt. Er ist fort und unser Blut hat sich mit dem Euren vermischt. Eines Tages wird einer unserer Enkel hier herkommen und uns befreien und für mich ein Körper sein, in den ich zurückkehren kann, um meine Brüder aus dem Schiffswrack auf dem Grund des Meeres zu bergen. Wir werden euch vernichten – endgültig.«

Cora Gäbel
Nanas Geschichten

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Niemand seiner Freunde hätte sich über diesen überstürzten Aufbruch gewundert, denn Tindo war gewiss kein ängstlicher Mensch und wenn er Angst hatte, war dies auch immer begründet. Aber plötzlich hatte er ein Röcheln hinter sich gehört, es war näher als die Geräusche vorher gewesen. Als er seine Schritte beschleunigt hatte, war auch dieses Röcheln schneller geworden.
Die Erinnerungen an die Geschichten kamen zurück, seine Nana hatte ihnen von einem Röcheln bei Werwölfen erzählt. Werwölfe! Dass er einmal an die Existenz dieser Wesen glauben würde ... Tindo zermarterte sich das Hirn auf der Suche nach der Methode, die laut seiner Großmutter einen Werwolf töten würde. Silber ... Es hatte was mit Silber zu tun, aber was nur? Sein Ritualdolch bestand aus reinstem Silber. Silber. Dolch. Er hatte die Lösung gefunden.
Seine Nana hatte ihm von einem Ritter in strahlender Rüstung erzählt, der einen Werwolf bekämpft hatte und selber kaum noch Leben in sich trug, weil er nicht die richtigen Waffen bei sich hatte. Erst der silberne Dolch einer Priesterin, die wie durch ein Wunder in dem dunklen Wald erschienen war, hatte das Ungeheuer töten können.
Jetzt brauchte Tindo einen Plan.

Holger Altmann
Wölfe

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Bevor Cruv protestieren konnte, hatte Morokh seine Deckung bereits verlassen und hastete geduckt auf den Lärm zu. Er bog vorsichtig um eine letzte Biegung, dann sah er sie.
Drei Feuer brannten in der Schlucht. Über dem Ersten drehten zwei Männer ein ausgewachsenes Pferd an einem Spieß. Über dem Zweiten brutzelte ein Rakh in seinem harten Panzer, den man nur knacken konnte, wenn man das Tier zwei Stunden über dem Feuer gegrillt hatte. Und über den Flammen des dritten Feuers brannte - ein Mensch!
»Was?«, entfuhr es Morokh, und er sah ein zweites Mal hin.
Kein Zweifel, was da hing, waren eindeutig die Überreste eines menschliches Wesens.
»Haha! Dieser hier scheint mir inzwischen gut durch zu sein. Bringt den Nächsten!«
Morokh folgte der grölenden Stimme zu einem groß gewachsenen Kerl, der keine drei Meter neben dem Feuer stand und nach seinen Worten einen Weinschlauch an die Lippen führte. Er trug die typische Kluft der Horde aus braunem Leder und ihr Erkennungszeichen. Eine Maske, die aus dem Kopf eines getöteten Wolfes gefertigt war. Das geöffnete Maul mit den gefletschten Zähnen lag direkt über der Mundöffnung des dahinter verborgenen Mannes.
Vier weitere Männer verschwanden in einer Höhle und kehrten wenig später mit einem zappelnden und sich heftig wehrenden Mann in ihrer Mitte zurück.
In der Zwischenzeit hatte Morokh seine Blicke durch die Schlucht schweifen lassen und die Männer gezählt, die sich um die Feuer versammelt hatten. Er kam auf siebzehn, doch sicherlich würden sich auch noch einige Wölfe in der Höhle befinden, um die restlichen Gefangenen zu bewachen, falls es denn überhaupt noch weitere gab.

Daniel Krüger
Gefallene Engel

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Er rieb sich ein zweites mal die Augen. Wie war es möglich, dass er die Schachtel sehen konnte? Es war an sich regelrecht düster hier im Raum. Der einzige Lichtstrahl, der sich hier im Raum befand, beleuchtete mit einem schmalen Strich die alte Kommode. Unter anderen Umständen hätte er sich hier fast blind umhertasten müssen. Er ignorierte seine Gedanken an diese Merkwürdigkeit und widmete seinen Verstand wieder der Aufgabe rauszufinden, was am gestrigen Abend alles noch passiert war. Er konnte sich daran erinnern, dass sie am Ende in einem schäbigen Zimmer gelandet waren. Sie waren recht schnell zur Sache gekommen und lagen nach wenigen Minuten schon zusammen im Bett. Dort hatte die Frau, dessen Namen er nicht einmal wusste, angefangen ihn zu küssen. Sie küsste ihn mit leidenschaftlicher Rage immer und immer wieder am Hals und er stieß sie jedesmal liebevoll zur Seite, da er an dieser Stelle einfach zu kitzelig war. Doch mit der Zeit, wurde die Frau wilder und sie stieß seinen Kopf mit unglaublicher Wucht zur Seite. Karl hatte aufgeschrien, doch die Frau hatte ihn einfach ignoriert. Und als er sich gerade aufrichten wollte, um sie von sich zu stoßen, spürte er, wie sich ihre Zähne langsam in seinen Hals bohrten. Er konnte fühlen, wie warmes Blut an seinem Körper hinunterlief, er wollte sich dagegen wehren, doch über seinen Verstand, hatte sich ein Nebel gelegt, er konnte nichts mehr tun, außer den schmatzenden Lauten zu lauschen, die immer und immer leiser wurden, je mehr sich die Schwärze über seine Augen legte.
Karl schüttelte sich. Ein Schauer lief über seinen ganzen Körper. Das kann doch nicht wirklich passiert sein? Das war doch nur eben ein Streich seines Verstandes. Aber als er an seinen Hals fasste, konnte er zwei kleine Löcher spüren, die sich mit grenzenloser Sicherheit vorher noch nicht dort befunden hatten.

Matthias Kirchner
Der unsichtbare Henker

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Als beide später im Haus waren, jeder mit einer Tasse Tee vor sich, versuchte Miranda, Susan wieder zu beruhigen und langsam fand sie die Worte wieder, um das Geschehene zu beschreiben.
»Ich war hinten am Waldrand mit Roger Gassi gehen und mit einem Mal fing er an zu bellen und rannte in den Wald und hörte überhaupt nicht mehr auf mich, ich kam kaum hinterher. Das habe ich noch nie bei ihm erlebt, er hört sonst immer. Als ich ihn dann endlich eingeholt hatte, sah ich, dass er stehen geblieben war und irgendetwas anknurrte. Er fletschte dabei die Zähne und sein Fell war gesträubt, so hab ich ihn noch nie gesehen, ich hatte eine ungeheure Angst vor ihm.« Wieder war Susan den Tränen nahe und brauchte einen Moment, um sich wieder zu beruhigen.
»Als ich dann zu der Stelle kam, konnte ich sehen, was ihn so erregt hatte. Robert Terrell hing an einem Seil vom Ast des Baumes herunter. Miranda, es war so schrecklich.«
Jegliche Farbe wich aus Susans Gesicht und eine kreidebleiche Blässe trat an ihre Stelle.
»Ich konnte mich vor Entsetzen nicht bewegen und starrte in seine Augen. Das war das Schlimmste daran. Seine Augen, leer und hilflos blickten sie auf mich herab und haben mir mit aller Deutlichkeit gesagt, dass es noch lange nicht zu Ende ist. Miranda, ich habe solche Angst um Tommy.«

Lutz Reiter
Rachemond

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Diesmal kam der Blitz nicht vom Himmel, sondern vom Fuß eines der Strommasten vor ihnen. Der Mast schwankte bedrohlich und begann auf die Straße zu stürzen. Sofort war Henry mit dem Fuß auf der Bremse.
Die Räder des alten Buick blockierten und der Wagen schoss auf der nassen Fahrbahn wild hin und her, dem fallenden Mast entgegen. Die Kabel spannten sich und schienen seinen Fall noch aufzuhalten. Doch die Jahre hatten dem Material in seiner Festigkeit zugesetzt und es dauerte nicht lange, bis sie mit einem lauten Knall rissen.
»Geh‘ in Deckung«, rief Henry seiner entsetzten Frau zu, während er versuchte den Wagen zum Halten zu bringen. Die Bremsen des Buick kreischten laut, während die Insassen geduckt hofften, einen Aufprall zu vermeiden. Das Auto rutschte, sich um die Achse drehend, auf den Stamm zu, der nun quer zur Straße lag. Funken sprühend krachte es durch Schlaglöcher, dass die Stoßstangen abfielen und die Auspuffanlage durch die Luft wirbelte, bis der Buick schließlich knapp vor dem Hindernis zum Stillstand kam. Doch es war noch nicht vorbei. Schon peitschte eines der gerissenen Kabel heran, schrammte über die Kühlerhaube und riss das Dach hinweg. Zitternd tauchte Rachel aus ihrer geduckten Stellung auf. Henry rief noch eine Warnung, doch die kam zu spät. Zischend flatterte das zweite Kabel heran. Rachel riss verwundert Augen und Mund auf, bevor ihr Kopf von der Schulter kippte und zu ihren Füßen fiel.

Anke Pekarsky
Die dunkle Seite des Mondes

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Woher kam nur das viele Blut? Ich hatte meinen Kopf abgetastet, aber keinerlei Wunden gefunden. Auch am Rest meines Körpers war nichts zu fühlen oder zu entdecken. Es blieb mir ein Rätsel, was überhaupt mit mir geschehen war, warum ich mich mitten in der Nacht auf dem Friedhof wiedergefunden hatte.
»Mama?«, rief ich unentwegt, während ich die Treppe zu dem Schlafzimmer meiner Eltern hinaufging. In diesem Moment dachte ich nicht daran, wie bestürzt meine Eltern über meinen Anblick sein könnten. Ich wollte sie nur sehen, sie in meine Arme schließen, ihnen alles erzählen, um nicht mehr das Gefühl zu haben, vollkommen alleine zu sein auf dieser Welt.
Ich öffnete die Tür zu ihrem Schlafzimmer, blieb abrupt stehen, versuchte zu atmen. Wiederum hörte ich das Rauschen des Blutes in meinen Ohren, meinen eigenen Herzschlag, der stetig schneller wurde. Meine Beine schienen mir nicht mehr gehorchen zu wollen. Sie fühlten sich an wie Wackelpudding. Völlig unkontrolliert tastete ich blindlings nach dem Türrahmen, um mich irgendwo festzuhalten und der nahenden Ohnmacht entgegenzutreten, die mich zu überfallen drohte. Ich wollte schreien, brachte aber keinen Ton aus meiner rauhen, geschundenen Kehle. Tränen rannen lautlos an meinem erhitzten Gesicht herunter, brannten auf meinen aufgesprungenen Lippen, schmeckten salzig in meinem Mund, aus dem kein Schrei entrinnen wollte. Ich ließ den Türrahmen los, schwankte zum Bett meiner Eltern, ließ mich kraftlos darauf nieder, während ich mit meiner Hand ungläubig das leichenblasse Gesicht meiner toten Mutter berührte, das kühl war unter meinen Fingerspitzen. Ihre Augen standen weit offen und blickten schreckensstarr an die Decke. Ebenso die Augen meines Vaters, der neben ihr lag, der Körper unterhalb des Halses blutüberströmt, seine Hand auf der meiner Mutter, als ob sie sich in den letzten Momenten ihres Lebens aneinander festhalten wollten.
Ich merkte, wie mir übel wurde und sich alles um mich drehte. Das erstarrte, weiße Gesicht, auf dem Spritzer ihres roten Blutes wie getrocknete Farbe verstreut waren, lauerte immer noch in meinen Gedanken, selbst als ich ins Bad wankte, die Augen halb geschlossen, um mich zu übergeben. Und überall das viele Blut, das durch die breiten, klaffenden Wunden an ihren Kehlen über ihre Körper geströmt war.